Wildhub ist mehr als nur ein Online-Portal – es ist ein zentraler Knotenpunkt für Wissenschaftler:innen, Naturschützer:innen und Praktiker:innen, die sich mit der Erforschung und dem Schutz heimischer Wildtiere beschäftigen. Seit seiner Gründung 2018 hat sich die Plattform zu einem wichtigen Instrument entwickelt, um Daten zu sammeln, Projekte zu koordinieren und die Forschungsergebnisse der österreichischen Wildtierökologie zugänglich zu machen. Besonders in Zeiten des Klimawandels und der zunehmenden Bedrohung durch Lebensraumverlust wird Wildhub zu einem entscheidenden Werkzeug, um evidence-based Entscheidungen für den Artenschutz zu treffen.
Die Plattform vereint verschiedene Forschungsansätze, darunter Kamerasysteme, GPS-Tracking und Citizen Science-Projekte. Ein zentrales Merkmal ist die zentrale Datenbank, die über 100.000 Beobachtungen von über 100 verschiedenen heimischen Tierarten dokumentiert. Dazu zählen nicht nur große Säugetiere wie Luchse oder Wildschweine, sondern auch weniger bekannte Arten wie Fledermäuse oder Amphibien. Diese Daten werden nicht nur für wissenschaftliche Analysen genutzt, sondern auch für die Erstellung von Artikeln und Berichten für Behörden und NGOs.
Wildhub kooperiert eng mit Instituten wie dem wildhub.co.at oder dem Österreichischen Bundesforste, um Projekte wie das Monitoring von Wolfs- und Luchspopulationen zu unterstützen. Besonders in den Alpenregionen, wo die Artenvielfalt durch Klimawandel und Infrastrukturprojekte bedroht ist, spielt Wildhub eine Schlüsselrolle. Ein konkretes Beispiel ist das Projekt zur Überwachung von Steinböcken in den Hohen Tauern, wo durch die Nutzung von Wildkameras erstmals detaillierte Bewegungsmuster der Tiere in unterschiedlichen Jahreszeiten kartiert wurden.
Daten als Grundlage für den Artenschutz
Die Daten, die auf Wildhub gesammelt werden, sind nicht nur wissenschaftlich wertvoll, sondern auch politisch relevant. Sie ermöglichen es, Prioritäten für den Artenschutz zu setzen und gezielt Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Zum Beispiel zeigt die Analyse der Wildhub-Daten, dass etwa 40 % der heimischen Reptilienarten in Österreich in Bedrohung sind. Dies hat zu einer Verschärfung der Schutzvorgaben für Amphibien und Schlangen geführt. Zudem wurden durch die Plattform erste Hinweise auf die Ausbreitung von invasiven Arten wie dem Amerikanischen Eidechsenkäfer identifiziert, was zu einer schnellen Reaktion der Behörden führte.
Ein weiteres Beispiel ist die Nutzung der Daten für die Erstellung von Lebensraummodellen. Durch die Kombination von Wildhub-Daten mit Klimadaten und Landnutzungsinformationen konnten Wissenschaftler:innen zeigen, dass die meisten heimischen Wildtiere in den nächsten Jahrzehnten in Gebieten mit höherem Niederschlag und kühleren Temperaturen überleben werden. Dies hat zu neuen Strategien für die Renaturierung von Feuchtgebieten und die Förderung von artenreichen Wäldern geführt.
- Über 100.000 Beobachtungen von über 100 Arten dokumentiert
- Kooperation mit Instituten wie dem Österreichischen Museum für Naturgeschichte
- Zentrale Rolle bei der Überwachung von Luchsen und Wölfen in den Alpen
- Erste Hinweise auf invasive Arten wie den Amerikanischen Eidechsenkäfer
- Datenbasis für über 50 wissenschaftliche Publikationen und Berichte
- Unterstützung von Citizen-Science-Projekten mit über 5.000 freiwilligen Beobachter:innen
Herausforderungen und die Zukunft der Plattform
Trotz ihrer Bedeutung steht Wildhub vor mehreren Herausforderungen. Die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung von Wildbeobachtungssystemen stellt die Plattform vor neue Aufgaben, etwa die Integration von KI-gestützter Datenanalyse. Gleichzeitig ist die Finanzierung von Langzeitforschungsprojekten eine große Hürde. Die Plattform setzt daher auf eine Kombination aus öffentlichen Fördermitteln, Partnerschaften mit Unternehmen und der Nutzung von Crowdfunding, um ihre Arbeit nachhaltig zu sichern.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Durch Schulprogramme und Öffentlichkeitsarbeit soll das Bewusstsein für den Schutz heimischer Wildtiere gestärkt werden. Ein Beispiel ist das Projekt „Wild im Garten“, bei dem Bürger:innen durch einfache Kamera-Setups ihre Gärten als Lebensraum für Wildtiere nutzen und Daten an Wildhub melden können. Dies hat bereits zu einer Steigerung der Meldungen von kleinen Säugetieren wie Igeln und Fledermäusen geführt.
Wildhub als Vorbild für internationale Projekte
Die Erfolge von Wildhub haben bereits Interesse an einer internationalen Ausweitung geweckt. Die Plattform wird als Referenz für ähnliche Projekte in anderen europäischen Ländern gesehen, etwa in Deutschland oder der Schweiz. Besonders die Methode der zentralen Datenverwaltung und die Kooperation mit verschiedenen Akteur:innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis werden als besonders effizient bewertet. Die Plattform zeigt, wie Forschung und Artenschutz durch digitale Tools besser vernetzt werden können.